Angst bei Katzen


Angst ist ein wichtiger Teil des Lebens. Sie ist eine Reaktion auf eine bedrohliche wirkende Situation, die oft ungewiss oder unkontrollierbar wirkt.

Sie versetzt Tiere und Menschen in eine körperliche und geistige Alarmbereitschaft, die dem Überleben dient und durch die Gefahren und Schmerzen vermieden werden. Angst ist ein negativer Gefühlszustand.

 

Physiologische Reaktionen im Zusammenhang mit Angst sind

  • schnellere Atmung
  • Anspannung
  • Herzklopfen
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Speicheln
  • Angstharnen oder Angstkoten

Typische Situationen

 Katzen können, wie Menschen in vielen verschiedenen Situationen und aus vielen verschiedenen Gründen Angst haben. Was als beängstigende Situation eingeschätzt wird, hängt stark vom Individuum und seiner persönlichen Entwicklung ab.

Typische Situationen, in denen eine Katze Angst haben kann sind:

- Angst vor Menschen durch

  • Mangelnde Sozialisation
  • schlechte Erfahrungen

- Angst vor Artgenossen durch

  • Mangelnde Sozialisation
  • sozialen Stress mit anderen Katzen

- Verlustangst

  • Lebensraum (Wohnung, Garten usw.)
  • Sozialpartner (Partnerkatze, Mensch, Hund usw.)

 

Wie äußert sich das Angstverhalten einer Katze?

Oft sieht man einer Katze ihre Angst nicht an, weil sie sich in eine Ecke verkriecht und weiter nicht auffällt. Nachts kommt sie schnell aus ihrem Versteck, um zu fressen und zur Toilette zu gehen.

Ein Leben in Angst ist kein akzeptabler Zustand, denn der Leidensdruck ist enorm. Hier sind wir Menschen gefordert, genau hinzusehen und aktiv zu werden: Eine Angstkatze braucht unsere Hilfe, um mehr Lebensqualität zu bekommen.

 

Wie erkenne ich nun eine Katze, die Angst hat?

Mögliche Angstreaktionen sind:

  • Unsauberkeit: Die Katze nutzt als Toilette z.B. das Bett oder den Boden
  • Markierverhalten nimmt zu: Kratzmarkieren, Harnmarkieren, Gesichtsmarkieren (Reiben des Köpfchens an verschiedenen Gegenständen)
  • Schreckhaftigkeit: fluchtartiges Weglaufen oder die Katze macht einen unruhigen, rastlosen Eindruck
  • Vokalisieren: übermäßiges Erzählen und Mitteilen der Katze durch Maunzen und Miauen
  • übermäßige Körperpflege: häufiges Lecken erzeugt Haarausfall, Leckekzem
  • defensive Aggression: Fauchen, Knurren, Spucken, Schlagen

 

Angst vor Menschen oder vor Artgenossen

Mangelnde Sozialisation

Bei Angst vor Menschen oder Katzen liegt oft eine mangelhafte Sozialisation zugrunde.

Ob eine erwachsene Katze zu Menschen oder anderen Katzen einen freundlichen, offenen Kontakt pflegt, hängt davon ab, welche Erfahrungen sie in der Prägungsphase gemacht hat.

Der entscheidene Zeitraum für die Prägung liegt zwischen der zweiten und siebten Lebenswoche. Hatte die Katze in diesem Zeitraum freundlichen Kontakt zu verschiedenen Menschen bzw. zu anderen Katzen (Mutter und Geschwister) und positive Erfahrungen, wird sie auch als erwachsene Katze den Kontakt suchen.

Katzen, die in dieser Phase keinen Kontakt zum Menschen hatten, werden fremden Menschen gegenüber immer ängstlich sein. Ebenso verhält es sich mit fremden Katzen: Hatte die Katze in der Prägungsphase keinen Kontakt zu anderen Katzen, weil sie mit der Hand aufgezogen wurde, wird sie sich fremden Katzen gegenüber immer ängstlich verhalten.

 

Schlechte Erfahrungen mit Menschen

Hat die Katze mit bestimmten Menschen schlechte Erfahrungen gemacht, bekommt sie vor diesen Angst und wird sie zukünftig meiden. Hier kann das Vertrauen nur nach und nach wieder aufgebaut werden, indem der Betroffene der Katze nur Gutes tut: Füttern, Leckerchen geben, mit der Katze leise reden, den Blick abwenden, Blinzeln, Gähnen, sich Kleinmachen, nie aktiv auf die Katze zugehen, sondern immer warten, dass sie Katze von sich aus wieder Vertrauen fasst und auf den Menschen zukommt.

 

Sozialer Stress mit anderen Katzen

Katzen sind individuell sehr verschieden. Es gibt selbstbewusste und aktive Katzen, schüchterne und zurückhaltende Katzen, schmusige Kontaktlieger und wilde Raufbolde. Kater haben zudem ein anderes Spielverhalten als Kätzinnen: sie bervorzugen das körperliche Spiel mit Rangeln und Raufen, während Kätzinnen lieber Verfolgungsjagden und Lauerspiele bevorzugen. Leben charakterlich gegensätzliche Katzen eng zusammen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die aktive Katze die passive bedrängt und einschüchtert.

Ganz besonders bei Wohnungskatzen, die meist in Abwesenheit ihrer Halter unterfordert und gelangweilt sind, kann es zu solchen Situationen kommen. Leider hat dann die passive Katze auch wenig Möglichkeiten auszuweichen. Aktive Katzen gehen offensiv auf die Mitkatze zu, passive neigen dazu zurückzuweichen. Das führt häufig dazu, dass die aktive Katze der passiven gezielt auflauert und sie bedrängt. Z.B. besetzt sie strategisch wichtige Durchgänge oder blockiert die passive Katze, so dass sie entweder das Klo nicht erreichen oder das Klo nicht verlassen kann.

Freigänger haben die Möglichkeit dem anderen aus dem Weg zu gehen und im Notfall abzuwandern. Wohnungskatzen können sich aufgrund der beengten Verhältnisse der Situation schlecht entziehen. Hier sind wir Halter in der Verantwortung der passiven Katze zu helfen, so dass sie angstfrei leben kann.

Eine vorgegebene Lösung gibt es nicht. Hier kommt es auf die jeweiligen Katzen und die örtlichen Gegebenheiten an.

Einzelne Lösungsschritte können sein:

  • Unterbringung der Katzen in getrennten Räumlichkeiten. Die bedrängte Katze kommt erstmal zur Ruhe und kann ohne Angst leben.
  • Aufbauen des Selbstbewusstseins der defensiven Katze durch
    • Feliway Diffusor: hilft der Katze sich zu beruhigen
    • viele kleine Spieleinheiten mit dem Menschen, bei der die Katze jeweils eine komplette Jagdsequenz durchläuft: durch das Schlagen der Beute wird Selbstbewusstsein aufgebaut
    • Clickertraninig: Lernen, Situationen selbst aktiv zu gestalten
  • mehrere Spielsequenzen tgl. mit der offensiven Katze: Abbau von Aggressionen, Langeweile und Frustration
  • schrittweise und langsame Zusammenführung der beiden Katzen
  • Örtlichkeiten so verändern, dass keine Sackgassen entstehen
  • im Notfall Umplatzierung einer der beiden Katzen.­

 

 Angst durch Verlust des Lebensraums

 Hier sind jegliche Veränderungen des Lebensraumes gemeint. Wohnungskatzen reagieren auf Veränderungen wesentlich sensibler als Freigänger, da sie in einer relativ reizfreien Umgebung leben und schon kleinste Veränderungen zu Angstreaktionen führen können. Wohnungskatzen können jedoch gezielt an Veränderungen gewöhnt werden, in dem wir häufig etwas von draussen zu beschnuppern und untersuchen mitbringen: Grashalme, Rinde, Blätter, Heu uvm. Auch hin und wieder die Möbel etwas zu verrücken, unterstützt die Wohnungskatzen beim Lernen mit Veränderungen umzugehen.

Beim Umzug sollte der Katze ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt werden, das mit möglichst vielen vertrauten Möbeln eingerichtet ist. Außerdem sollte ein Feliway Diffusor im Zimmer vorhanden sein. Alle lauten Handwerkstätigkeiten sollten vor dem Einzug der Katze erledigt sein. Bewegt sich die Katze in dem Zimmer angstfrei und entspannt, kann sie nach und nach die restlichen Zimmer des neuen Lebensraumes erkunden.

 

Angst durch Verlust des Sozialpartners

Hier handelt es sich um z.B. den Tod der Partnerkatze oder den Weggang eines geliebten Menschen. Hier sollten möglichst viele Rituale, die den Alltag strukturieren, aufrecht erhalten werden: Fütterungszeiten, Spiel- und Schmusezeiten, Auslauf. Katzen, die sehr an ihrem Menschen hängen können bereits eine Verlustangst entwickeln, wenn sich der Tagesablauf des Menschen ändert.

 

Genetik

Jedes Lebewesen trägt einen genetischen Code in sich, der bei jedem individuell zusammengestezt ist. So haben manche Katzen die Veranlagung zu Freundlichkeit Menschen gegenüber, andere zu genereller Ängstlichkeit, die eine spätere Angststörung beeinflussen können.

 

Angststörung

Angststörungen zählen zu den echten Verhaltensstörungen, denen ein psychische Erkrankung zugrunde liegt. Es handelt sich dabei also nicht um ein Verhaltensproblem, sondern muss tierärztlich untersucht und behandelt werden.