Die Sprache der Tiere - Workshop im Tierpark Suhl

Eine Woche lang mit Kindern verbringen und eine Woche lang im Tierpark arbeiten – das war Abenteuer pur!

Ich hatte das große Glück im Juli Teil eines einwöchigen Workshops für Kinder im Alter von 6 – 15 Jahren zu sein. Der Veranstalter war die Stadtverwaltung Suhl, die im Rahmen der Suhler Kinderstadt diesen Workshop

 im Tierpark Suhl den Kindern als Ferienprogramm anbot. Der Workshop teilte sich in Malen und Schreiben auf:

Eine Gruppe Kinder zeichnete die Tiere des Parks, eine Gruppe schrieb Geschichten über die Tiere. Und mein Part bestand darin, den Kindern die Sprache der Tiere zu vermitteln und ihnen die Grundlagen für ihre Geschichten und Zeichnungen zu liefern.

Als Endprodukt soll aus den schönsten Geschichten und Zeichnungen ein Bilderbuch entstehen.

Ich hatte mich gründlich vorbereitet, mir überlegt, wie ich den Kindern die Tiersprache vermitteln kann, welche Bedürfnisse die einzelnen Tierarten im Park haben, wie sie in Freiheit leben würden, wenn es denn ginge und warum es häufig nicht möglich ist.

Es kam alles anders als gedacht:

Schon am ersten Tag war mir klar, dass die Kinder wenig bereit sind, mein Frage-Antwortspiel mitzuspielen, wenn ein süßes Eselfohlen, kleine Zwergziegen oder ein Minischwein vor ihnen steht.

Zumal der erste Tag mehr als chaotisch ablief. Also habe ich mich den Kindern ein wenig angepasst, meine Fragen gestellt, solange kein Tier in Sicht war und die Kindern danach mit den Tieren interagieren lassen.

Besonders spannend war das Zusammentreffen der Kinder mit einem jungen Eselhengst, der durchaus mal provokant auf die Kinder zutrabte. Tierpfleger waren immer dabei, den Kindern konnte nichts passieren. Sie lernten aber, dass Tiere nicht nur süße Streichelobjekte sind, sondern Bedürfnisse haben, einen eigenen Kopf und Willen. Warum schreit der Esel, wenn er die anderen beiden Esel auf der Nachbarwiese grasen sieht?

Warum steht immer ein Erdmännchen auf einem erhöhten Platz? Und was machen die anderen Tiere währenddessen?

Und was braucht eigentlich ein Minischwein, um sich wohlzufühlen? Und warum sollten Meerschweinchen und Wellensittiche nicht alleine leben? Diesen und ähnlichen Fragen sind wir in der Woche nachgegangen. Wir haben die Pferdeställe ausgemistet und die Esel gestriegelt. Haben die Loris gefüttert und bei den Zwergziegen geschaut, ob alle gesund und munter sind.

Vor den nicht ganz so kleinen Minischweinen hatten alle anfangs großen Respekt und wichen erschrocken vor ihnen zurück. Aber nachdem sie gesehen hatten, mit wieviel Wohlbehagen sich die Tiere kraulen lassen, haben sie ihre Angst schnell überwunden und es entstand ein Wettstreit darüber, wer „sein“ Schwein am schnellsten in eine entspannte Seitenlage kraulen konnte.

Und nach und nach entstand zumindest bei einigen ein gegenseitiges Vertrauen. Und das war trotz der anstrengenden Woche das allerschönste.