Schreckhaftigkeit und Selbstbewusstsein


Die Silvesternacht war richtig lange und richtig laut. Meine zwei Katzen haben die Nacht sehr unterschiedlich wahrgenommen: Clyde schlief entspannt bis nach Mitternacht. Um zehn nach zwölf schaute ich besorgt nach ihm, 

die Knallerei war schließlich ohrenbetäubend und mein Kater zuckt nicht mit einem Schnurrhaar? Lebt der noch?Als ich ihn ansprach, streckte er behaglich ein Beinchen aus und schnurrte mich entspannt an. Sagenhaft!

Ganz anders meine Bonnie: Sie war schon lange vor Mitternacht schreckhaft und schaute immer wieder verängstigt zu den verbarrikadierten Fenstern, hinter denen es laut knallte, zischte und pfiff, was das Zeug hielt.

Nach langer Überlegung nahm sie mein Angebot für eine ausführliche Bauchmassage unter die Decke zu kommen, an. Sie konnte sich auch entspannen, aber um 12 Uhr als die Kakophonie ungeahnte Ausmaße annahm, flüchtete sie verängstigt unter den Weihnachtsbaum. Also haben wir ein paar sehr positive Rituale ausgepackt: Wir haben geclickert und ein paar Wurfrunden (mit Trockenfutter, nicht mit den Katzen ;-)) gemacht. Auf ein Spiel konnte sie sich gar nicht einlassen.

Immer wieder zuckte sie zusammen und schaute angstvoll zu den Fenstern.

So kannte ich meine Bonnie gar nicht, denn eigentlich ist sie diejenige mit dem ausgeprägteren Selbstbewusstsein und dem größeren Mut.

Beide haben im voraus angstlösende Nahrungsergänzungsmittel und Bachblüten bekommen.

Wie kommt es dazu, dass das Nervenkostüm der Katzen so unterschiedlich sind? Wie kam es zu der Änderung?

Im Fall meiner Bonnie hängt die Schreckhaftigkeit wahrscheinlich mit dem seltenen Spielen zusammen. Eigentlich spielt Bonnie gerne, aber leider funkt Clyde immer dazwischen. So habe ich in den vergangenen zwei Wochen zwar mit meinem Kater immer wieder Jagdspiele gespielt, aber meine Bonnie ging leider leer aus. Und das macht etwas mit dem Selbstbewusstsein einer Katze.

Je mehr ich eine Katze zum Spielen ermuntern kann und je häufiger sie die Beute fängt, umso selbstbewusster wird die Katze. Je weniger sie selbst etwas fangen kann oder im aller ungünstigen Fall selber zur Beute der anderen Katze wird, umso mehr schwächt das ihr Selbstbewusstsein.

Vielleicht haben sie auch nur die vielen Böller, die ja schon zwei Wochen vor Silvester knallten, beunruhigt. Jetzt, nach dem ganzen Trubel, spielt sie wieder und ich kann förmlich zusehen, wie ihr Selbstbewusstsein wächst.

Dem Kater bietet sie wieder Paroli oder fordert ihn zu einem Jagdspiel auf und beide sind dank regelmäßigem Spiel wieder in ihrer Mitte.

Welche Bedeutung das Spielen für Katzen hat und wie ich eine spielunlustige Katze dazu überreden kann, könnt ihr hier nachlesen. Und wie eine spielunlustige Katze aus der Reserve gelockt werden kann, lest ihr hier.