Katerfreundschaft

Pauli kam vor 3 Jahren aus dem Tierheim: mit eingerissenen Ohren, einem Auge, einer halbseitigen Gesichtslähmung inkl. der Ohren und jeder Menge Parasiten. Er wurde damals auf 5 Jahre geschätzt. Das Faszinierende an dem Kater war, dass er im Trubel der Katzen, die um ihn herum sprangen, fauchten und auch mal tatzten, er die Ruhe selbst blieb.                                                                                   

Wie ein in sich ruhender Buddha saß er in der quirligen Katzengruppe und nahm alles sehr gelassen.

Pauli zog als Partnerkatze für eine ältere und schwierige Katzendame in das Zuhause meiner Freundin ein.

Er versuchte alles, um ein friedliches Auskommen mit dieser manchmal aufbrausenden und grummeligen Partnerin zu finden. Als die alte Dame nach ca. 3 Jahren schließlich entschlief, machte Pauli keinen allzu traurigen Eindruck. Aber er war nun tagsüber allein in der Wohnung.

Nach einigen Wochen stand fest, dass das kein Leben für ein so soziales Tier ist und entgegen aller Ratschläge zog ein 5 Monate alter Kater aus dem ausländischen Tierschutz ein, der die meiste Zeit seines Lebens im Käfig gesessen hatte und auf allen Filmen einen eher ängstlichen Eindruck machte. Die Faustregel für eine Partnerkatze lauetet eigentlich: „Gleich zu gleich gesellt sich gerne.“ In diesem Fall lag noch nicht mal ein ähnliches Alter vor.

Die Vergesellschaftung erfolgte nach Plan mit getrennten Zimmern, kurzen und sehr positiven Begegnungen an der Gittertür, wobei beide Seiten einen ruhigen und positiven Eindruck machten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Im Nullkommanix waren die beiden zusammengeführt und Klein-Willi erforschte kein bisschen ängstlich, sondern forsch, neugierig und mutig die neue Umgebung. Und Pauli?

Die Annäherung war anfangs noch zögerlich. Erst gab es Nase-an-Nase Begegnungen und Willi gurrte jedesmal freundlich, wenn er Pauli sah. Dann wurde Willi von Pauli kurz geleckt. Ein bisschen benahm sich Pauli wie ein Onkel. Aber auch das änderte sich schnell, denn nun fingen die Raufereien an: Einer lauert dem anderen auf, jagte ihn um ihn schließlich in den Schwitzkasten zu nehmen und mit ihm zu rangeln. Dabei wechselten die Rollen: Mal war Pauli der Jäger, mal der Gejagte. Er forderte Willi auch unmissverständlich dazu auf ihn zu jagen.

Und nach und nach wurden die beiden ein Dream-Team, was niemand jemals für möglich gehalten hätte: Willi sucht die Nähe von Pauli und legt sich lang ausgestreckt vor ihn auf den Boden. Und Pauli liebt es Willi ausgiebig und hingebungsvoll zu putzen, was Willi sichtlich so lange genießt, bis beide eng aneinander gekuschelt einschlafen.

Und dies bestätigt wieder wie so oft: Katzen sind individuell und es gibt keine Regel, die von einer Katze nicht widerlegt werden kann!

Aber warum funktioniert nun diese Katerfreundschaft trotz des Altersunterschiedes von 7 Jahren so ausgezeichnet?

Beide sind anderen Katzen grundsätzlich freundlich eingestellt, was die Zusammenführung sehr einfach machte. Außerdem haben beide ein ähnliches Bedürfnis nach Spiel, Raufen und Kuscheln. Dadurch, dass beide den gleichen Aktivitätswunsch haben, ist ihr Spiel ausgeglichen und so stand einer weiteren Annäherung nichts im Wege.

Wie schön wäre es, wenn alle Partnerkatzen so gut zueinander passen würden! Leider ist es schwierig den Charakter einer Katze anhand einer oder zweier Begegnungen sicher zu beurteilen.

Fest steht, dass eine Partnerkatze nicht nach dem Aussehen ausgewählt werden sollte, sondern nach charakterlichen Kriterien, dem Alter und dem Geschlecht. Es macht eine Freundschaft zumindest wahrscheinlicher.

Eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der jeweils anderen Partnerkatze spielt natürlich auch eine durchdachte und vom Menschen angeleitete Zusammenführung. Und natürlich spielt auch die Haltung eine Rolle. Denn wir als Halter können positiv auf das gegenseitige Katzenverständnis durch eine artgerechte Haltung einwirken.