Bin ich reif für die Katze?


Wer sich mit dem Gedanken trägt eine Katze anzuschaffen, informiert sich am besten vorher, auf was er sich einlässt.

Das allerallerwichtigste ist nicht, ob die Wohnung groß genug ist, ob das Katzenklo nun im Wohn- oder im Schlafzimmer steht oder gar: Welche Rasse nehme ich nur? Das sind natürlich auch Fragen, die beantwortet werden wollen, aber die wichtigste Frage ist:

Bin ich grundsätzlich bereit, mich auf ein neues Familienmitglied einzulassen, dass von mir abhängig ist? Das Bedürfnisse hat zu deren Befriedigung ich mich durch die Adoption verpflichte? Zu dem ich stehe, in guten wie in schlechten Zeiten?

Es geht um die Grundhaltung: Wenn ich eine Katze adoptiere, sie lieb gewinne und sie dann irgendwann z.B. unsauber wird: Bin ich bereit mich zu fragen, was die Katze für ein Problem hat? Und wie ich ihr helfen kann? Oder gehe ich den einfachen Weg und gebe ich sie dann ab?

Was mache ich, wenn die Katze anfängt systematisch und immer wieder Dinge runter zu werfen?

Bücher gehen kaputt, Vasen zerdeppern, Pflanzen werden angekaut, Erde aus den Blumentöpfen gebuddelt, das Sofa wird mit den Krallen zerschlissen, nachts werde ich womöglich regelmäßig geweckt und zu guter Letzt erbricht das liebe Tier alle paar Tage und zwar immer dort, wo es am schwierigsten zu reinigen ist. Und natürlich der Dauerbrenner: Haare, Haare, Haare! Jede Katze haart, die eine mehr, die andere weniger. Ich mache mich fürs Büro fertig und zum Abschied reibt sich meine Lieblingskatze nochmal am Bein. Vielleicht ist sie weiß, die Hose schwarz?

Der Tagesablauf ändert sich: Ich muss früher aufstehen, um die Katze zu füttern und möglichst auch noch eine kleine Runde mit ihr spielen, bevor sie den ganzen Tag alleine ist.

Ich kann nach der Arbeit nicht einfach ins Kino oder mit Freunden weggehen um dann nachts um 12 Uhr nach Hause zu kommen. Zumindest muss ich zwischendurch einen Abstecher nach Hause machen und meinen pelzigen Partner versorgen, bevor ich wieder losziehe.

Und was gehört zu der Versorgung? Was sind denn nun die Bedürfnisse einer Katze?

Katzen, und das liest man überall, schlafen gerne und viel. Ja. Aber sie schlafen nicht den ganzen Tag und schon gar nicht Tag und Nacht. Sie möchten gerne alle 2-3 Stunden etwas essen. Wasser sollte dastehen und Gras.

Sie möchten und müssen kratzen, das bedeutet, dass ich für Kratzgelegenheiten sorgen muss, an denen die Katze kratzen darf. In der Regel sind das verschiedene Stellen. Sie benötigt Ruhe- und Beobachtungsplätze und Schlafplätze. Auch das sind meistens alles unterschiedliche Plätze. Die Wohnung sollte das hergeben.

Als Halter sollte ich bereit sein, die Wohnung an die Bedürfnisse der Katze anzupassen: in erster Linie geht es um die "Vergrößerung" der Wohnung und um Sicherheit: Viele Katzen fühlen sich in luftiger Höhe sicherer. Sicher vor dem grauslich lautem Staubsaugermonster, vor beängstigenden fremden Menschen, die einfach in das eigene Revier gepoltert kommen und womöglich noch die neue Katze streicheln wollen. Hier ist die dritte Ebene bzw. der Catwalk das Mittel der Wahl. Bin ich also bereit meine Wohnung baulich den Bedürfnissen der Katze anzupassen?

Sie möchten ihr Fell pflegen – das kann eine Katze in der Regel auch ohne uns. Die Ausnahme sind z.B. Langhaarkatzen, deren Fell nur durchs Putzen alleine nicht vor dem Verfilzen geschützt sind. Auch hier müssen wir tätig werden. Wir müssen die Katze regelmäßig bürsten, evtl. Scheren und wenn wir das selber nicht schaffen, dann muss die Katze zum Friseur – äh – zum Tierarzt.

Katzen sind hervorragende Jäger und in der Natur besteht der Tagesablauf darin, dass Revier zu erkunden: Da werden Gerüche aufgenommen, weite Wege zurückgelegt um das eigene Revier zu markieren und natürlich jagt eine Katze. Sie hat ein ausgezeichnetes Gehör, das sogar das Wispern der Mäuse in ihren Höhlen auffangen kann. Sie hat unendlich Geduld und kann stundenlang hochkonzentriert vor einem Mauseloch sitzen und lauern bevor sie zum entscheidenden Sprung ansetzt.

Was macht also ein derartig fantastischer Jäger den lieben langen Tag in einer Wohnung?

Hier ändert sich nichts, niemals. Es gibt keine neuen Gerüche, es gibt nichts zu erforschen und zu jagen erst recht nichts. Wenn uns die Decke auf den Kopf fällt, gehen wir ins Kino oder Spazieren oder treffen uns mit Freunden. Und die Katze?

Hier ist Management angesagt und zwar von uns! Ganz besonders in reiner Wohnungshaltung sind Katzen komplett von uns Haltern abhängig. Wir sorgen nicht nur fürs Essen und Trinken, sondern wir sind auch für die Unterhaltung zuständig. Wir sind Unterhalter, Bespaßer und Beutesimulator zugleich.

Und zu guter Letzt möchte die Katze natürlich Zeit mit uns verbringen: Sie ganz allein nur mit uns. D.h. zum Reden, zum Streicheln, falls die Katze das möchte oder einfach zum Zusammen-Dasitzen und das Beisammensein zu genießen.

Katzen können 20 Jahre alt werden. Habe ich einmal eine Katze adoptiert, sollte sie bei mir alt werden dürfen. Sicher wird es in den 20 Jahren einige Änderungen geben. Vielleicht ziehe ich um, vielleicht finde ich einen Menschen, der mit mir sein Leben verbringen möchte. Ich hoffe, dass bei all diesen Veränderungen die Katze mit dabei sein darf und auf ihr Wohlergehen geachtet wird.