Katzenzusammenführung






Was ist das?


Katzen sind soziale Tiere, die, wenn sie einander fremd sind, häufig ein wenig Hilfe beim Kennenlernen seitens des Menschen benötigen. Kennen und schätzen sie womöglich einander, können Katzenbeziehungen eine echte Bereicherung für alle sein.
Eine Katzenzusammenführung oder auch Vergesellschaftung meint das Vorstellen und Bekanntmachen einander fremder Katzen.



Wozu braucht man das?


Überlässt man das Kennenlernen den Katzen selbst, ist das Risiko, dass sich die Katzen erstmal verbal allerlei Unflätigkeiten an den Kopf werfen relativ groß. Das geht vom Fauchen und Knurren über Verstecken und Jagen bis zum ernsthaften Verletzen. Wer einmal von einem Fremden angepöbelt wurde, hat meist keine Lust mehr, diesen kennenzulernen. Das ist bei Menschen eigentlich nicht anders.
Natürlich kann man Glück haben, und beide Katzen gehen von anfang an gelassen miteinander um. Oft ist es jedoch anders. Jede Pöbelei erschwert eine spätere Zusammenführung. Das kann so weit gehen, dass eine Zusammenführung gar nicht mehr möglich ist und der Neuankömmling schweren Herzens und mit einer bitteren Erfahrung (besonders für die Katze) zurückgebracht werden muss. Wozu also das Risiko eingehen?



Voraussetzung


Beide Katzen sollten sozialisiert sein. Das bedeutet, dass sie im Alter zwischen 2-7 Wochen andere Katzen kennengelernt haben sollten. Also mit Mutter und Geschwistern groß geworden sind. Evtl. auch gerne mit weiteren Katzen. Handaufzuchten haben in dieser Zeit meist nur den Menschen kennengelernt und haben daher später mit anderen Katzen Probleme. Sie haben nie die Kommunikation mit anderen Katzen gelernt und reagieren meist mit Angst und Aggression auf andere Katzen. Sie eignen sich daher nicht für das Leben in einem Mehrkatzenhaushalt.



Vorbereitung


Eine Katzenzusammenführung braucht Zeit und Geduld und ein wenig Vorbereitung. Für den Neuankömmling bedeutet der Umzug ins neue Heim Stress, denn erstmal ist alles unbekannt: neue Menschen, es riecht nach fremder Katze – was ist das für eine?, Revierverlust. Die Katze hat Angst. Bevor man die Katzen einander vorstellen kann, sollte dem Neuankömmling Zeit gegeben werden, anzukommen und sich sicher zu fühlen. Dazu wird ein Zimmer katzengerecht eingerichtet: Kratzen, Essen, Trinken, Schlafen, Klobenutzung, Spielen findet für den Neuankömmling erstmal nur in diesem Zimmer statt. Und das solange, bis die Katze sich dort entspannt bewegt, Kontakt zum Menschen aufgenommen hat und man das Gefühl hat, die Katze ist angekommen. Bei ängstlichen Katzen kann das mehrere Tage dauern, bei selbstbewussteren Tieren kann das bereits am nächsten Tag der Fall sein.



Vor dem ersten Kennenlernen


Die alteingesessene Katze hat natürlich längst mitbekommen, dass da eine andere Katze eingezogen ist. Ihr Mensch hat evtl. weniger Zeit für sie, verschwindet immer in dem Zimmer der anderen Katze und dadurch fühlt sie sich zurückgesetzt. Um es dazu nicht kommen zu lassen, sollte der Halter unbedingt darauf achten, der eigenen Katze mehr Zuwendung als sonst zu geben. Dadurch entwickelt sich erst gar kein Konkurrenzdenken und damit auch keine negative Assoziation mit dem Neuankömmling.
Am besten ist es, wenn man sich für eine Zusammenführung 2-3 Wochen Urlaub nimmt, um beiden Katzen viel Zuwendung zukommen lassen zu können und auch nach der erfolgten Vergesellschaftung das Zusammenleben der beiden gut beobachten zu können.

Der Neuankömmling sollte, bevor er der anderen Katze vorgestellt wird, die Wohnung kennenlernen dürfen. Dazu wird die alteingesessene Katze in ein Zimmer gebeten, wo man sie vielleicht mit einem Fummelbrett oder ähnlichem beschäftigen kann. Der Neuankömmling kann nun erstmal einen Raum erforschen und vor allem den Geruch der anderen Katze aufnehmen. Im Prinzip wäre das auch ein guter Zeitpunkt, um der alteingessenen Katze das Zimmer des Neuankömmlings zum Erforschen anzubieten. Wichtig ist, dass sich die Katzen beim Raumtausch nicht sehen und begegnen. Bevor es ans erste Kennenlernen geht, sollte der Neuankömmling die komplette Wohnung erforscht haben.



Die Gittertür


Die Gittertür dient der Sicherheit, sie verhindert tätliche Angriffe. Die Katzen sollen sich sehen und riechen können, sie sollen aber möglichst nicht mit der Pfote durch das Netz passen, um einander nicht schlagen zu können. Eine Gittertür kann man selbst herstellen. Für manche ist es ein Klacks, für andere eine Herausforderung. Im Prinzip ist es ein Holzrahmen, der in den Türrahmen passt und mit einem Netz bespannt ist. Die Tür muss so befestigt sein, dass sie auch einem Sprung oder einem Klettern am Netz standhält. Die evtl. leichtere Variante ist folgende: eine Kindersicherungstür  nehmen, die sich in den Türrahmen klemmen lässt: diese allein ist zu niedrig, die Katzen können drüberweg springen. Am besten verlängert man sie mit zwei langen Stangen rechts und links (kann man mit Kabelbinder befestigen), verbindet die beiden Stangen oben mit einer Querstange und spannt dann über das gesamte Gebilde noch ein Netz.



Das Highlight


Alle Begegnungen sollten mit positiven Gefühlen verknüpft werden. Um das zu bewerkstelligen haben wir im Vorfeld die für die jeweilige Katze sensationelle Belohnung bereitgestellt. Etwas, was sie sonst nur zu besonderen Anlässen bekommen. Nicht das Leckerchen für alle Tage, sondern es muss sich um ein echtes Highlight handeln. Und das gibt es dann auch nur zu dieser Gelegenheit, wenn sich die Katzen an der Tür begegnen. Das kann auch durchaus etwas Nicht-Essbares sein, z.B. Streicheleinheiten. Mit Essbarem geht es aber am einfachsten. Natürlich bestimmt die jeweilige Katze, was für sie das Größte ist.



Gemütslage vor der Begegnung


Beide Katzen sollten sich vor der ersten Begegnung satt, zufrieden und entspannt fühlen. Das bedeutet, sie haben gefressen und gespielt und all das getan, was für diese Katze zum Wohlbefinden beiträgt. Damit haben wir schonmal für die optimalen Voraussetzungen gesorgt.



Das erste Kennenlernen


Das erste Kennenlernen findet mit der Gittertür zwischen den Katzen als Sicherheit statt. Es sollte wirklich kurz ausfallen und nicht länger als eine Minute dauern. Gerne kürzer. Die Katzen sollten keine Gelegenheit haben einander zu beschimpfen und in eine negative Stimmung zu kommen.
Am besten macht man eine Zusammenführung zu zweit, wobei jeder Mensch bei einer Katze steht, der ihr das Highlight gibt, sobald die andere Katze in Sicht kommt.
Wird doch mal gefaucht oder geknurrt, ist das auch nicht schlimm, aber weder sollte das belohnt werden,  noch sollte man hier die Begegnung abbrechen. Am besten man lenkt die Katze mit einer Angel ab. Schaut sie von der anderen Katze weg, wird üppig belohnt. Und hier wird die Begegnung beendet.

Es ist wichtig, die Begegnung positiv enden zu lassen, denn nur wenn sie positiv endet, freuen sich die beiden auch darauf den anderen wiederzusehen. Jede negativ beendete Begegnung, macht die nächste schwieriger. Katzen lernen sehr schnell und haben ruckzuck die falschen Verknüpfungen abgespeichert. Das Umlernen ist möglich, dauert aber entsprechend länger. Deshalb müssen die ersten Begegnungen auch wirklich sehr kurz sein. Hier findet also ein Lernprozess statt: Wenn die eine Katze erscheint lernt die andere, dass dann immer was ganz Tolles passiert.

Belohnt wird alles, was der zusammenführung dient: Beschwichtigendes Verhalten, kurzes Weggucken, auch neugieriges Anschauen, aber kein Starren. Blinzeln wird belohnt ebenso wie Gähnen oder Distanz verringern (sofern es nicht aggressiv motiviert ist).



Nach der ersten Begegnung


Nach dem ersten Kennenlernen werden beide Katzen wahrscheinlich erregt sein. Bis es zur nächsten Begegenung kommt, sollten beide daher Zeit haben sich wieder abzuregen und zu entspannen. Wieder heißt es hier: Sich viel Zeit nehmen und für beide Katzen da sein, sie mit Spielen entspannen und sie auch eine zeitlang mit sich alleine lassen. Erst danach sollte die nächste Begegnung stattfinden.



Begegnung an der Gittertür


Ganz wichtig ist es, die Katzen nicht alleine an der Gittertür zu lassen. Die Begegnung wird immer vom Mensch bzw. von zwei Menschen begleitet, die währenddessen angenehme Dinge passieren lassen. Nach der Begegnung wird die Gittertür wieder entfernt, um ein bedrohliches Anstarren zu verhindern. Während der Begegnung kann z.B. eine Pflanze oder ein Stuhl o.ä. als Sichtschutz verwendet werden, hinter der sich eine Katze ein wenig verstecken kann.



Wie lange dauert die Zusammenführung?


Es kommt darauf an: letztendlich geben die Katzen das Tempo vor. Gibt es eine Katze, der sich defensiver verhält als die andere? Dann ist das diejenige, die das Tempo vorgibt.
Es macht keinen Sinn die beiden zusammen zu lassen, wenn zwar die eine Katze friedlich gestimmt zu sein scheint und Anstalten macht, die andere Katze näher in Augenschein zu nehmen, die andere aber noch zurückweicht. Eine Zusammenführung kann daher relativ schnell gehen, sie kann aber auch Wochen dauern.



Die Gittertür wird entfernt


Erst, wenn beide dicht an dicht in entspannter Körperhaltung an der Gittertür stehen, sich beschnuppern und freundliche Interaktion zeigen, kann das Gitter entfernt und die beiden zusammengelassen werden. Auch hier gilt: Erst kurze Begegnungen stattfinden lassen und diese nach und nach ausdehnen. Erst, wenn sicher ist, dass beide und nicht nur einer Spaß haben, können beide Katzen als vergesellschaftet gelten und dürfen fortan ihr Leben gemeinsam genießen.