Auslastung Wohnungskatzen

Artgerechte Wohnungshaltung für Katzen


Artgerecht und Wohnungshaltung scheint ein Widerspruch an sich zu sein: Denn Katzen sind Raubtiere, deren Reviere in der Natur mehrere 100 ha groß sind. Täglich werden diese und angrenzende Reviere auf der Suche nach möglichen Beutetieren durchstreift. Dabei legt die Katze täglich viele Kilometer zurück.

Das Revier einer Katze besteht aus einem Heim erster Ordnung, in dem sich ein gut geschützter Schlafplatz befindet und drei bis fünf Plätze zum Ruhen und Beobachten, sowie einem Streifgebiet, in dem hauptsächlich gejagt wird. Für Katzen mit Freigang entspricht das Heim erster Ordnung dem Haus oder der Wohnung in der sie leben. Bei Katzen in reiner Wohnungshaltung entspricht das Heim erster Ordnung einem kleinen Teil der Wohnung.

Die artgerechte Wohnung sollte der Katze Abwechslung, Anregung und die Möglichkeit sich zu verausgaben bieten.

An vorderster Stelle steht hier der Mensch, der hier für die tägliche Auslastung der Katze in Form von Spiel und Spaß sorgen sollte. Anregungen hierzu gibt es unter Spieltechniken. Weiterhin sollte die Einrichtung genügend Kratz und Klettermöglichkeiten bieten, so dass sich die Stubentiger ausreichend bewegen. Ist die Katze täglich über mehrere Stunden allein zu Hause, sollte ihr ein Spielkumpel Gesellschaft leisten. Wie lässt sich die Einrichtung nun den Bedürfnissen einer Katze anpassen?

Catwalk

Catwalk

Ein Catwalk ist ein Laufsteg in luftiger Höhe. Die Wohnung wird durch die Anbringung von Regalbrettern für die Katze vergrößert und ihr Bedürfnis nach sicheren Rückzugsorten wird befriedigt. Ein Catwalk kann sehr unterschiedlich ausfallen: Es kann sich um einzelne kleinere Regalbretter in unterschiedlicher Höhe handeln, es können aber auch mehrere lange Bretter auf derselben Höhe angebracht werden. Umso mehr unterscheidlicher Zugänge die Katze zum Catwalk hat, desto interessanter und anregender können die Wege durch die Wohnung gestaltet werden.

Kratzstellen

Katzen müssen nach Herzenslust kratzen dürfen. Das Kratzen ist ein natürliches Bedürfnis der Katze. Es dient zum einen

  • der Krallenpflege: regelmäßig müssen die losen Krallenhüllen entfernt werden. Die Krallen der Vorderpfoten werden durch Kratzen, die Krallen der Hinterpfoten werden durch die Zähne gepflegt.

  • dem Markieren des Reviers durch Geruchsbotschaften. Zwischen den Pfotenballen sitzen Duftdrüsen, durch das Kratzen wird der Geruch angebracht. Menschen können den Geruch übrigens nicht wahrnehmen, für Katzen ist er wichtig.

  • dem Markieren des Reviers durch sichtbare Kratzbotschaften: tiefe Furchen zeigen an, dass dieses Revier von einer Katze bewohnt wird.

  • Dem Strecken der Muskulatur

  • dem Abbau emotionaler Spannungen

Kratzstellen sollten sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Lage angeboten werden. Sehr wichtig ist der Ort, an dem gekratzt wird: meist wird dort gekratzt, wo das soziale Leben hauptsächlich stattfindet und an wichtigen Durchgängen. Also im Kerngebiet und an den meist begangenen Wegen dorthin.

Kratzgelegenheiten sollten mindestens soviele wie Katzen im Haushalt vorhanden sind angebracht sein und zwar dort, wo sich die Katzen meistens aufhalten.

Um dem Bedürfnis nach sichtbaren Kratzbotschaften nachzukommen, sollten statt Sisalmatten lieber Kratzbretter aus Pappe genommen werden, da Kratzspuren auf Pappe viel schneller entstehen.

Kratzbaum

Kratzbäume eignen sich – sofern sie nicht durch viele Ebenen verbaut sind zum vertikalen Kratzen und zum Strecken hervorragend. Gleichzeitig bietet ein Baum einen erhöhten Sitz und meist ein oder zwei Liegekuhlen zum Schlafen. Ein Kratzbaum kann sehr gut als Auf- oder Abgang zum Catwalk dienen.

Schlafplätze

Die Katze braucht ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen. Viele Katzen mögen Höhlen, da sie Schutz und Sicherheit bieten. Sie können leicht selber hergestellt werden: In einen umgekehrt aufgestellten Karton wird eine Tür geschnitten, im Karton liegt eine weiche Decke – fertig ist die Höhle. Auch ein Platz im Schrank oder Regal ist denkbar: Eine Matte mit leicht erhöhtem Rand ist bei vielen Katzen beliebt. Das Regal hat einen leicht höhlenartigen Charakter und bietet Sicherheit durch den erhöhten Platz, der nicht leicht zugänglich ist.

Erhöhte Ruheplätze

Dösen, chillen und entspannen: Katzen liegen gerne warm, geschützt und haben dabei alles im Blick ohne selbst gesehen zu werden. Dafür eignen sich hervorragend erhöhte Plätze. Wie bei den Schlafplätzen eignen sich Liegeflächen im Regal, auf dem Schrank oder dem Catwalk.

Sonstige Elemente der katzengerechten Wohnungseinrichtung

Kratztonnen oder Kratztunnel dienen dem Verstecken, dem erhöhten Sitzen, dem Kratzen vertikal und horizontal. Als Katzenkino dienen geschützte Aquarien und Vogelhäuschen vor dem Fenster. Katzentunnel dienen dem Verstecken, Spielen und Auflauern.

Katze Aquarium

Beschäftigung mit Futter

Die in freier Natur durchgeführten Streifzüge der Katze dienen meist dem Beutefang.

  1. In der Wohnung kann das Explorationsverhalten durch das Verteilen von Trockenfutter gefördert werden. Die Futterstücke können auf Möbelstücken und auf dem Boden verteilt werden.

  2. Wurfspiele sind sehr beliebt. Die Trockenfutterstücke werden geworfen, die Katze rennt hinterher, fängt und „erlegt“ die Beute.

  3. Fummelbretter gestalten die Futteraufnahme spannend. Es sie zu kaufen, man kann sie aber auch sehr einfach selber herstellen: In einen Schuhkarton werden z.B. einfach Klorollen eingesetzt, in die die Futterstücke gelegt werden. Der Schuhkarton kann senkrecht an einem Möbelstück befestigt werden. Die Katze muss herausfinden, wie sie am besten an die Trockenfutterstücke herankommt.

  4. Snackbälle enthalten ebenfalls Trockenfutter. Durch die kleine Öffnung fällt das Futter nur dann heraus, wenn die Katze den Ball bewegt.

 

Spielen mit dem Sozialpartner Mensch

Je nach Spielbedürfnis der Katze, dem Alter und Gesundheit sollte eine Katze ein bis viele Male am Tag bespielt werden. Das bedeutet, dass der Mensch der Katze Zeit schenken sollte, von der er scheinbar selber erstmal nichts hat. Das Spielen bewirkt jedoch, dass die Katze ihrem natürlichen Jagdtrieb nachkommen kann, denn nur der Mensch kann die Beute simulieren. Mit einer Partnerkatze sind Rauf- und Rennspiele möglich, aber keine Jagdsimulation.

 

Katzentoilette

Katzen in freier Natur verrichten das große und kleine Geschäft an separaten Plätzen. Auch unsere Wohnungskatzen machen das gerne. Daher gibt es die Daumenregel, dass soviele Toiletten aufgestellt werden sollten, wie Katzen im Haus leben +1. Bei zwei Katzen sollten drei Toiletten an unterschiedlichen Plätzen aufgestellt werden.

Im Handel gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Toiletten:

Die geschlossenen Katzenklos gibt es hauptsächlich für den Menschen, um ihn vor unangenehmen Gerüchen zu schützen. Allerdings staut sich der Geruch unter der Haube, was den Klogang für die Katze nicht unbedingt angenehm macht. Die meisten Katzen bevorzugen Toiletten ohne Haube. Die Toilette sollte so groß sein, dass die Katze bequem darin stehen und noch einen Schritt gehen kann. Wenn Sie sich für eine geschlossene Toilette entscheiden nehmen Sie am besten die Tür vorne ab, damit die Katze sehen kann, was draussen vorgeht.

 

Essen

Auch hier gibt es eine unendliche Fülle von Anbietern und Geschmacksrichtungen. Da Katzen häufig empfindlich auf eine Nahrungsumstellung reagieren ist es günstig, das Tier an 2-3 Futtersorten zu gewöhnen. Generell sollte es sich um ein vollwertiges Futter handeln, dass alle für die Katze wichtigen Nährstoffe enthält. Katzen brauchen z.B. unbedingt Taurin.

Nassfutter: Das in Dosen oder Schalen verpackte Nassfutter enthält ca. 80% des benötigten Wassers pro Tag. Im Schnitt benötigt eine 4 kg schwere Katze ca. 200 mg pro Tag.

Trockenfutter: Trockenfutter ist sehr praktisch zu verfüttern, da es im Fressnapf nicht verdirbt. Gutes Trockenfutter enthält dieselben Inhaltsstoffe wie Nassfutter. Es ist aber wichtig genügend Wasser bereitzustellen. Eine 4 kg schwere Katze benötigt pro Tag nur ca. 60 g. Die Gefahr bei einer reinen Ernährung aus Trockenfutter besteht in Nieren- und Harnwegserkrankungen. Diese entstehen häufig dann bei Katzen, wenn diese nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.

 

Trinken

Bieten Sie Ihrer Katze an verschiedenen Stellen in der Wohnung Wasser an. Eine Katze als ursprüngliche Wüstenbewohnerin neigt eher dazu zu wenig zu trinken. In der Natur frisst sie Mäuse, die ihren Wasserbedarf zu 80% abdeckt. Daher ist der Trieb zusätzlich zu trinken nicht besonders stark ausgeprägt.

 

Mögliche Ernährung bei reinen Wohnungskatzen

Ein weiteres Problem bei Wohnungskatzen: Sie bekommen zu wenig Bewegung und häufig langweilen sie sich, wenn Herrchen und Frauchen nicht da sind. Gelangweilte Katzen neigen dazu zuviel zu fressen. Wird der Katze ständig Futter angeboten, bleibt sie a. gelangweilt und b. frisst sie zuviel – aus reiner Langeweile. Sie können ihre Katze vor der Langeweile retten und sie gesund ernähren durch folgendes Vorgehen:

Die Katze bekommt 3-4 Mahlzeiten pro Tag frisch serviert. Am besten geben Sie Nassfutter und in das Nassfutter mischen Sie zusätzlich etwas Wasser. Dadurch ist schon mal der Wasserhaushalt gedeckt, den die Katze gerne vernachlässigt. Alle wichtigen Nährstoffe hat die Katze auch erhalten. Zusätzlich hat sie 3-4 mal täglich das Highlight des Tages: Die Fütterung. Wichtig: Es darf kein anderes Futter rumstehen, da sich sonst die Katze davon bedienen würde bis sie satt ist und es gäbe kein Highlight mehr. Zusätzlich können zwischendurch (am besten abends) mit Trockenfutter Wurf- und Geschicklichkeitsspiele gespielt werden. Achten Sie jedoch darauf, dass die tägliche Futtermenge nicht überschritten wird, da übergewichtige Katzen gesundheitliche Probleme bekommen.

 

Transportkorb

Die Katze sollte einmal jährlich zum Check/Impfung dem Tierarzt vorgestellt werden. Dazu sollte die Katze in einem ausreichend großen Korb transportiert werden. Kleine enge Taschen sind zwar für den Menschen sehr praktisch, aber die Katze fühlt sich dort überhaupt nicht wohl. Am besten eignen sich Plastikboxen, die sich gut reinigen lassen und die sich vor allemsich von oben leicht öffnen lassen. So kann die Untersuchung beim Tierarzt leichter vorgenommen werden.